JAZZ TRAIN – Landes-Schüler-Bigband des Saarlandes
Zur Geschichte des Landesprojektes
Die Landes-Schüler-Bigband des Saarlandes – seit 1997 unter dem Namen JAZZ TRAIN bekannt – hat sich seit ihrer Gründung im Jahr 1989 zu einer festen Größe in der saarländischen Jazzlandschaft entwickelt. In mittlerweile dreizehn Generationen wurden rund 250 junge Musikerinnen und Musiker in die Tradition der Bigband eingeführt. Für viele von ihnen wurde das Projekt zu einem entscheidenden Impulsgeber: Zahlreiche Ehemalige nahmen ein Musikstudium auf oder fanden den Weg in den professionellen Bereich. Zwei Förderpreise, fünf CD-Produktionen sowie Konzertreisen im In- und Ausland dokumentieren die nachhaltige Erfolgsgeschichte dieses Landesprojekts.
Die Anfänge reichen in die 1980er Jahre zurück. Seit 1981 veranstaltet der Verband Deutscher Schulmusiker (VDS Saar) regelmäßig die Landesbegegnung „Schulen musizieren“, bei der Ensembles aller Schulformen die Vielfalt schulischen Musizierens präsentieren. 1988 übernahm erstmals das saarländische Bildungsministerium gemeinsam mit dem VDS Saar die Organisation dieser Begegnung – nun unter dem Titel „Tag der Schulmusik“. Der damalige Kultusminister Diether Breitenbach lud Schulensembles aller Schularten in die Räumlichkeiten des Ministeriums ein. Besonders beeindruckten an diesem Tag mehrere Bigband-Projekte aus Saarbrücken, Merzig und St. Wendel. Auf Initiative von LMR Dr. Denne wurden die Musiklehrer Freimut Mertes, Wolfgang Jensen und Ernst Urmetzer beauftragt, ein Konzept für eine landesweite Schüler-Bigband zu erarbeiten.
Das Anfang 1989 vorgelegte Konzept richtete sich an Schülerinnen und Schüler aller Schularten im Alter von 14 bis 20 Jahren. Voraussetzung war das sichere Beherrschen eines Bigband-Instruments auf mittlerem Niveau; Jazzerfahrung war ausdrücklich keine Bedingung. Geplant waren regelmäßige Proben im vierzehntägigen Rhythmus, ein bis zwei mehrtägige Workshops pro Jahr mit professionellen Jazzmusikern sowie mehrere öffentliche Auftritte. Stilistisch reichte das Repertoire von Pop, Jazz und Blues über Jazzrock und Latin-Funk bis hin zu moderner Bigband-Literatur. Ein besonderes Augenmerk galt von Beginn an der Einführung in die Improvisation.
Trotz anfänglicher Vorbehalte einzelner Institutionen, die eine Konkurrenzsituation befürchteten, konnten diese Bedenken in Gesprächen unter Leitung des Ministers ausgeräumt werden. Wolfgang Jensen und Ernst Urmetzer wurden mit der Gründung und Leitung der Landes-Schüler-Bigband beauftragt. Im September 1989 fand im Cusanus-Gymnasium St. Wendel die erste Probe statt – die Geburtsstunde eines Projekts, das bis heute „unter Dampf“ steht.
In den folgenden Jahren wurde das Ensemble kontinuierlich aufgebaut. Die Probenorte wechselten zunächst zwischen St. Wendel und Merzig, später kamen Saarlouis und Saarbrücken hinzu. Seit 1996 probt die Bigband am Gymnasium am Schloss Saarbrücken. 1994 übernahm Matthias Ernst die Co-Leitung. Inhaltlich verlagerte sich der Schwerpunkt zunehmend auf traditionellen und modernen Bigband-Jazz; Pop-Arrangements traten in den Hintergrund. Ergänzend wurde eine Combo eingerichtet, in der fortgeschrittene Mitglieder ihre improvisatorischen Fähigkeiten vertiefen konnten. 1999 vertrat die Combo „Train Set“ das Saarland bei der Bundesbegegnung „Jugend jazzt“ in Rostock und erhielt mehrere Fördermaßnahmen, darunter einen Workshop mit dem polnischen Saxophonisten Leszek Zadlo.
Ein zentrales Element des Projekts sind die regelmäßig stattfindenden Workshops mit renommierten Jazzmusikern aus dem In- und Ausland. Zu den Dozenten zählten unter anderem Ingolf Burkhardt, Joo Kraus, Heinz-Dieter Sauerborn, Anne Czichowsky, Georg Ruby sowie der amerikanische Swing-Veteran Al Porcino, der 1995 als Gastdirigent wirkte. Diese kontinuierliche Zusammenarbeit mit professionellen Künstlern prägt bis heute das hohe musikalische Niveau der Bigband.
Ab 1997 trat das Ensemble unter dem Namen „JAZZ TRAIN“ auf und entwickelte eine rege Konzerttätigkeit über die Landesgrenzen hinaus. Auftritte führten die Bigband unter anderem nach Augsburg, München, Würzburg und mehrfach nach Berlin, zu den Internationalen St. Wendeler Jazztagen, zum St. Ingberter Jazzfestival sowie ins Ausland nach Sizilien und mehrfach nach England. Dort konzertierte JAZZ TRAIN unter anderem im Londoner Jazzclub „The Bull’s Head“ sowie beim Internationalen Stummfilmfestival in Bristol.
Besondere künstlerische Projekte erweiterten das Profil des Ensembles: die Aufführung von **Duke Ellington**s „Sacred Concert“ mit dem Gospelchor Saarbrücken, das Tapdance-Projekt „Let’s Swing“, eine musikalische Begleitung zur Ausstellung „SWING & JAZZ unter den NAZIS“ im Adolf-Bender-Zentrum St. Wendel sowie ein Cole Porter-Projekt. Auch Stummfilmprojekte mit Filmen von Buster Keaton und Charlie Chaplin gehörten zum Repertoire. Die finnische Sängerin Kirsti Alho trat wiederholt als Gastsolistin auf.
Fünf CD-Produktionen, sämtlich in Zusammenarbeit mit dem Saarländischen Rundfunk entstanden, dokumentieren die künstlerische Entwicklung des Ensembles von 1999 bis 2015. Darüber hinaus erhielt das Projekt den Saarländischen Förderpreis sowie den Förderpreis der Landesakademie für musisch-kulturelle Bildung in Ottweiler.
Mit der Pensionierung von Ernst Urmetzer im Sommer 2013 endete eine prägende Ära. Die Leitung lag zunächst weiterhin in den Händen von Matthias Ernst. Von 2021 bis 2024 übernahm Tim Sefrin gemeinsam mit Matthias Ernst die musikalische Leitung und setzte neue inhaltliche Akzente. Seit 2025 steht die Bigband unter der gemeinsamen Leitung von Johannes Schmitz und Matthias Ernst.
Auch im Jahr 2026 – nach inzwischen 27 Jahren – rollt der „Zug“ weiter: mit neuen Generationen junger Musikerinnen und Musiker, mit frischen Programmen und mit der gleichen Begeisterung für Bigband-Jazz, die das Projekt seit 1989 prägt.
Seit seiner Gründung wird das Projekt vom saarländischen Bildungsministerium getragen – durch Lehrerabordnungen sowie durch finanzielle Mittel für Sachkosten und Workshops. Trotz zeitweiliger Kürzungen bleibt JAZZ TRAIN ein herausragendes Beispiel für nachhaltige musikalische Nachwuchsförderung im Saarland und ein lebendiges Forum für die Begegnung junger Talente mit der Sprache des Jazz.
Ernst Urmetzer – 2013
Matthias Ernst – 2020
Jakob Hippchen – 2026